Der Designer des Designers.
Obwohl es die unterschiedlichsten Designer gibt (Graphik, Mode, Produkt, Foto, Text...), haben alle eins gemeinsam:
Das Ergebnis ihrer Arbeit ist vor allem das Resultat ihres individuellen Geschmacks (das gilt sogar für Gestalter mit ausgesprochen funktionalistischen Auffassungen).

Was liegt also näher, als die subjektiven, die persönlichen Bedingungen von Design zu beleuchten: Jeder hat eine Vergangenheit, auf die er nicht viel Einfluss hat, aber eine Zukunft, die er selbst prägen kann. Denn Designer fallen nicht vom Himmel. Sie werden auf die eine oder andere Art gestaltet/ausgebildet — entweder institutionell oder autodidaktisch — und sie entwicklen sich weiter.
Die wichtigste Frage lautet daher nicht: Wer bist du geworden? Sondern: Wer willst du werden?
Diesem Thema hat auch Paul Arden sein bekanntes und lesenswertes Buch gewidmet. Aber - wenn man mich fragt - er bohrt nicht tief genug. Er gibt viele hilfreiche Hinweise, die eigene Performance zu verbessern. Er hilft aber nicht, den Designprozess und die Perspektive des Designers besser genauer zu analysieren.
Eine interessante Perspektive eröffnet sich, wenn man auch die Persönlichkeit des Designers als ein Objekt seines Gestaltungsprozesses versteht - beabsichtigt oder nicht. So könnte der Designer zum Designer des Designers werden.
Designer, die glauben, dass sie lediglich ihr Material, ihr Werkzeug, eine Technik oder ihre Software perfekt beherrschen müssen, um überzeugende Arbeitsergebnisse hervorzubringen, sind leider noch nicht ausgestorben. Im Gegenteil! Es gibt sogar heute noch Ausbildungseinrichtungen, die diesen Irrtum systematisch und zum Teil sogar für viel Geld nähren.
Natürlich sind die genannten Faktoren wichtig, aber sie allein führen nicht zu einem überzeugenden Ergebnis. Genauso wenig, wie ein Musiker, der ein Klavier hat, die passenden Noten und die richtige Ausbildung schon ein Virtuose wäre. Auch hier zählt die persönliche Inspiration und Interpretation.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht hier nicht darum, Designern mit einem esoterisches Selbsterfahrungsseminar heimzuleuchten. Es folgt keine Einladung zu einer spiritistischen Reise in die Geheimnisse des Ichs, es wird kein Pharmabaukasten für Psychodesign ausgelobt.
Gearbeitet wird mit vergleichsweise traditionellen Mitteln: Nachdenken, lesen, schreiben, zeichnen, reden, zuhören... Das aber in höheren Dosierungen.
Schließlich wird gefragt: Was haben gute Designer unternommen, um gute Designer zu werden? Wie haben Sie ihre Projekte gestaltet und vor allen Dingen: sich selbst?
Daraus ergeben sich Fragen wie:
- Was muss ich tun, um ein guter Designer zu werden?
- Was muss ich bedenken, um meinen Geschmack zu verbessern?
- Was muss ich ansehen, um zeitgemäßes Design zu produzieren?
- ...
- Was muss ich sagen, um die Welt von meinem Design zu überzeugen?
- Was muss ich hören, um ein Gefühl für die Zeit zu bekommen?
- Was muss ich essen, um hungrig zu bleiben?
- Wie kann ich besser werden?
Glücklicherweise gibt es auf diese Fragen jeweils mehr als eine Antwort. Also wird der Stoff so schnell nicht ausgehen.